Noctifers Blog Bastard Operator from Hell

13Mar/1010

Akif Pirinçci – “Der Rumpf”

Die hier vorgestellten Bücher sind selbstverständlich immer rein subjektive Empfehlungen meinerseits; Ich bin kein Fachkritiker, sondern ein einfacher Leser, der rein nach persönlichem Empfinden beurteilt. Ich werde versuchen auf verschiedene Kategorien einzugehen, wobei ich den Schwerpunkt auf deutschsprachige Autoren lege. Selbstverständlich werde ich nicht nur deutschsprachige Werke vorstellen können, dazu ist mein Kaufverhalten einfach zu impulsiv und die Verlockung in Buchhandlungen zu groß. Ebenso lege ich keinen Wert darauf ausschließlich Neuerscheinungen zu behandeln; Interessante Literatur ist zeitlos.

Zu den Empfehlungen: Generell möchte ich nicht zu viel über Handlungen und Wendungen verraten, weshalb ich versuche mich kurz zu halten. Ich möchte lediglich vermitteln weshalb ich das Buch empfehle und was den Leser im Groben erwartet.

Der Autor des folgenden Buches düfte vielleicht durch seine Reihe "Felidae" dem ein oder anderen ein Begriff sein:

Klappentext

Ein Mörder, dem das Kunststück des "perfekten Mordes" gelungen ist, legt seine Lebensbeichte ab: "Wer Sladek war? Und wie ich dazu kam, ihn umzubringen? Und auf welche Weise es geschah? Geduld, Geduld, ihr werdet es noch früh genug erfahren. Ich gelobe, kein noch so unbedeutendes Detail zu verschweigen. Natürlich wird mir niemand Glauben schenken, da ja, wie es sich für einen perfekten Mord gehört, keine Beweise existieren - und auch keine Zeugen mehr."

Vorneweg möchte ich ausdrücklich betonen, dass dieses Buch nicht unbedingt für zartbesaitete Leser geeignet ist. Der Hauptprotagonist stellt sich als "Der Rumpf" vor und thematisiert damit auch sein Schicksal: Er ist schwerstbehindert, ohne Arme und ohne Beine geboren. Mitgefühl ist bei "Dem Rumpf" ein Gefühl, das eher selten auftritt: Der Hauptprotagonist ist ein boshafter, menschenverachtender Zyniker, der gerade mal für seinen Ziehvater und das schöne Geschlecht, sofern es in seinen Augen als 'schön' zu bezeichnen ist, ein paar mehr oder minder freundliche Worte übrig hat.

Selbstverständlich hadert Daniel, wie sein Ziehvater ihn genannt hat, mit seinem Schicksal, jedoch ist "Der Rumpf" kein Buch, das rein die Thematik der Schwerstbehinderung behandelt: Es ist eine Mischung aus einem Krimi und dem ironisch erzähltem Lebensbericht eines hochintelligenten Zynikers, der sich plötzlich im Paradies, dem Heim der "Verzauberten Jäger", wieder findet und diese utopisch anmutende Einrichtung von der ersten Sekunde an inbrünstig hasst.

Daniel, der bereits zum Anfang des Buches als Charakter in Erscheinung tritt, von dem man nicht wirklich weiß ob man ihn bewundern, verachten, hassen oder lieben soll, erzählt seine Geschichte auf eine tragisch-amüsante Weise, die abstoßend und fesselnd zugleich ist. Und er erzählt die Geschichte seines perfekten Mordes. Ein perfider Plan, der letztendlich ein Blutbad anrichtet, mit dem selbst Daniel nicht gerechnet hatte. Denn wie im wahren Leben kommt es anders als man denkt: Daniel kämpft verbissen darum der "verzauberte Jäger" zu sein und nicht das verfluchte Opfer.

Leseprobe des ersten Kapitels bei Randomhouse.

Wie schon erwähnt würde ich dieses Buch keinem zart besaitetem Leser empfehlen. Abseits der boshaften, teils verletztenden Aussagen und Ansichten Daniels, werden einige Protagonisten auf brutale Art gefoltert und grausame Weise getötet. "Der Rumpf" hat mich durch seine ungeschönte, bizarre und boshafte Lebensbeichte schockiert, amüsiert und letztendlich gefesselt.