Vampirgeschichten: Kalt glimmen die Sterne
Primär eine dicke Entschuldigung: Um mich ist es so ruhig, weil ich teilweise kein Internet, meistens aber schlichtweg keine Zeit habe. Wie auf meinem Profil vermerkt reagiere ich auch auf Mails sehr langsam, weshalb ich auch an dieser Stelle darauf hinweise: Bei akuten Problemen bitte an den Support, oder meine Kollegen wenden. Sofern das Problem nicht akut ist und keiner sofortigen Antwort bedarf, kann man mich selbstverständlich auch anschreiben. Ich antworte. Irgendwann.
Zum eigentlichen Thema:

Klappentext Quelle: Sphera Verlag
Kalt glimmen die Sterne
Vampirgeschichten
Erscheinungstermin: 31. Mai 2011Eine fantastische Anthologie mit 22 düsteren, melancholischen und berührenden Kurzgeschichten über die faszinierenden Kreaturen der Dunkelheit.
22 deutschsprachige Autoren werfen überraschend moderne und nachdenkliche Blicke auf das Wesen des Vampirs. Quer durch die Jahrhunderte erzählen sie von der gleichen Gestalt: von der Kreuzigung Christi über den Moloch der modernen Großstadt bis in eine düstere Zukunft. Und doch ist hier keine Geschichten wie die andere.
Eines aber haben all die Blutsauger dieser Sammlung gemein: das unerbittliche Ringen mit sich, der Welt und Fragen rund um
Unsterblichkeit, Überlegenheit, das Gewissen, Begierde, Sehnsucht, Verachtung, Einsamkeit, Verlust, Angst und die menschliche Seele.Enthalten sind:
Meara Finnegan - Kalt glimmen die Sterne
Benedikt Franke - Untot in Tannheim
Dominik Grittner - Bewerbungsgespräch
Lydia Gschosmann - Das Opfer
Daniela Herbst - Morgengrauen
Hans Jürgen Hetterling - Im Schatten des Kreuzes
Ivyane Jacob - Abschied
Sanjina Kashikar - Seelenblut
Christian Künne - Maria, voll der Gnade
Stefanie Lasthaus - Bruderliebe
Eberhard Leucht - Die erste Nacht
Tanja Meurer - Der Misanthrop
H. P. Morel - G.I.E.R.
Rebekka Pax - Juliets Lied
Daniela Perndl - Eine Nacht
Adrián Ramírez León - Morgendämmerung
Gaby Rauch - Mein Leben für deins
Johanna Shey - Das Blut des Lebens
Nadine Stellert - Vergänglichkeit
Peter Stohl - Kreatur der Dunkelheit
Claudia Vollmert - Meine Leben für die Ewigkeit
Romy Wolf - Der Schützling
Vampire sind derzeit ja so eine Sache... Der Großteil der Vampirgeschichten, die derzeit den Markt fluten oder geflutet haben, waren romantischer Natur. Nichts gegen Romantik. Bram Stokers Dracula, die Wurzel der Vampire, ist ebenfalls fest verwurzelt mit romantischen Elementen, jedoch ist Dracula trotz aller Liebe für Mina ein eher wenig sanftmütiges Geschöpf, als vielmehr ein blutgieriges Monster. "Neumodische" Vampire sind im Gegensatz zu ihm geradezu vermenschlicht. Jedem wie es beliebt, aber ich bevorzuge doch die blutgierigen, instinktgeleiteten Vampire und in diesem Sinne kam ich mit der Anthologie "Kalt glimmen die Sterne" auf meine Kosten.
Kurzgeschichtensammlungen sind für mich grundsätzlich eine feine Sache, weil ich die grundverschiedenen Denkansätze mehrerer Autoren zum selben Thema interessant finde, wie auch die unterschiedlichen Schreibstile. Womit wir schon beim Inhalt wären. Zum Teil zeigen die Autoren nur kurze, interessante Einblicke in das Leben - oder unleben, wie auch immer man es nennen möchte - von Vampiren, oder einen knappen Blick auf den Mitternachtssnack genannter Genießer. Die Perspektiven der Protagonisten machen den Reiz der Geschichten. Zum Teil findet man in der Sammlung Denkansätze, die bereits in der Literatur oder Filmen thematisiert wurden, jedoch von den Autoren in einem anderen Licht verarbeitet, zum Teil auch in einem völlig neuen Kontext gesetzt wurden. Die Schnappschüsse des Lebens, die die Autoren dem Leser präsentieren, zeigen manchmal den Protagonisten gen Ende seines Lebens, oftmals auch nur am Ende seiner menschlichen Existenz , oder den Anfang des untoten Daseins, wobei der Grundtenor nie in romantisch-verklärte Liebeserklärungen abdriftet, sondern die Autoren stets den Fokus auf das Dunkle, das Beängstigende an der Figur des Vampirs bewahren. Ebenso reizen die unterschiedlichen Arten die Geschehnisse zu beschreiben: Blumige, ausschweifende Texte stehen nüchternen Berichten gegenüber, jeder für sich auf seine Weise interessant. Mit vielen Vorurteilen um diese vermeintlich romantisch-sanftmütigen Wesen, die oftmals mit fast unvermeidlicher Anmut gesegnet werden, wird hier aufgeräumt und zum Großteil werden Vampire als das dargestellt, was sie in alten Sagen und Legenden waren: Mörderische Monster, die nicht das Wohle der Menschen im Sinn haben, sondern lediglich ihr Blut. Der Ursprung der Vampire wird in den Geschichten deutlich, sie terrorisieren die Menschen, weiden sich an den Qualen ihrer Opfer und rauben ihnen ihr Blut, ihr Leben, in mancher Geschichte auch ihre Würde und Menschlichkeit. Wer nach Romantik sucht, wird in dieser Anthologie nur in weitestgehendem Sinne fündig, insofern der Leser einem mitternächtlichem Stell-dich-ein mit tödlichem Ausgang etwas verklärt-romantisches abgewinnen kann. Wer aber nach wahren Vampiren sucht, Geschichten lesen möchte in denen sie unverfälscht ihrem Blutdurst erliegen, der wird auf seine Kosten kommen.
Es liegt in der Natur der Dinge, dass nicht alle Geschichten begeistern, aber ich bin durchaus zufrieden. Bei einigen Geschichten wird der Leser ins Geschehen hinein geworfen und kaum findet man sich zurecht, wird man wieder heraus gerissen. Zum Teil sind die Kurzgeschichten ein wenig zu kurz, so dass man gar keine Zeit hat sich mit dem Protagonisten auseinanderzusetzen, geschweige denn sich mit ihm verbunden zu fühlen. Manchmal kann man aber auch sagen: Weniger ist mehr. Vor allem, wenn es darum geht Informationen oder Handlungsstränge auf wenigen Seiten niederzuschreiben. Kurzgeschichten sind handwerklich oft schwerer zu bewerkstelligen als Geschichten mit freier Länge, unter diesem Aspekt möchte ich auch kein schneidendes Urteil über manche Geschichten fällen, da ich weiß wie knifflig und nervenaufreibend es sein kann viele Ideen in nur wenig Raum unterbringen zu müssen. Zumal mein Urteil selbstverständlich subjektiv ist, oder wäre, müsste ich jede Geschichte einzeln bewerten. Im Sinne der Sammlung bin ich jedoch zufrieden, da ich auf meine Kosten gekommen bin und mir der Großteil der 22 Geschichten gefallen hat. Die Anthologie hat ihre Aufgabe mich zu unterhalten im Guten vollkommen erfüllt.
Natürlich sollte ich auch erwähnen, dass der Verlag wirklich gute Arbeit geleistet hat. Anders als bei vielen Verlagen, auch die mit großen Namen, wird der Lesefluss nicht stellenweise durch grobe Patzer im Layout oder der Rechtschreibung unterbrochen. Die Verarbeitung des Buches ist tadellos; Der Einband ist griffig, ebenso die Seiten, der Druck ist gut und das Schriftbild scharf. Das Cover erinnert mich ein bisschen an meine Poe-Sammlung, es ist passend düster, nicht verschnörkelt oder mit Schnick-Schnack überladen.
Meine Renovierungs-Raucherpausen (Renovierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen, Freiwillige vor!) hat "Kalt glimmen die Sterne" bereichert und ich möchte mich nochmals herzlich bei dem Sphera-Verlag für das Rezensionsexemplar und das Lesezeichen bedanken.
Allen ein schönes Wochenende,
Noctifer
(Wegen Renovierung verschollen.)
Der Schrecksenmeister von Walter Moers
Der Schrecksenmeister.
Ein kulinarisches Märchen aus Zamonien von Gofid Letterkerl. Neu erzählt von Hildegunst von Mythenmetz.
Kurzbeschreibung
Jeder Buchling kennt Hildegunst von Mythenmetz' fabelhaften Roman über Echo, das Krätzchen - eine zamonische Kratze unterscheidet sich übrigens von unserer Katze lediglich dadurch, daß sie sprechen kann: In Sledwaya, der traurigsten Stadt Zamoniens, ist Echo dermaßen in Schwierigkeiten geraten, daß er gezwungen ist, mit dem Schrecksenmeister Succubius Eißpin einen verhängnisvollen Vertrag zu schließen. Dieser gibt dem Schrecksenmeister Sledwayas das Recht, die Kratze beim nächsten Vollmond zu töten und ihr das Fett auszukochen. Als Gegenleistung muß Eißpin Echo dreißig Tage lang auf höchstem kulinarischen Niveau durchfüttern. Doch der Schrecksenmeister hat nicht mit dem Überlebenswillen und dem Erfindungsreichtum des Krätzchens gerechnet - vor allem nicht mit seinen neuen Freunden, der letzten Schreckse von Sledwaya, dem Einäugigen Schuhu und einem Gekochten Gespenst.
"Der Schrecksenmeister" ist das fünfte der von Walter Moers geschriebenen Zamonien-Romane und bildet meinen persönlichen Einstieg in diese abstrakte, überraschende und wunderbare Welt.
Schon die ersten Zeilen zeigen, dass es sich beim "Schrecksenmeister" um ein eine Art literarisches Überraschungsei handelt: Als Leser weiß man nie, womit der Autor einen in der nächsten Zeile verblüffen wird. Der Leser wird mit Sledwaya bekannt gemacht, der ungesundesten Stadt in ganz Zamonien:
Stellt euch den krankesten Ort von ganz Zamonien vor! Eine kleine Stadt mit krummen Straßen und schiefen Häusern, über der ein schauriges schwarzes Schloss auf einem dunklen Felsen thronte. In der es die seltensten Bakterien und kuriosesten Krankheiten gab: Hirnhusten und Lebermigräne, Magenmumps und Darmschnupfen, Ohrenbrausen und Nierenverzagen.
Wir lernen Echo kennen, ein halb verhungertes Hauskrätzchen, das von den Bewohnern der Stadt keinerlei Unterstützung erhält. Den Hungertod vor Augen geht er auf einen Pakt mit dem gefürchteten Schrecksenmeister der Stadt Sledwaya ein; Dieser darf ihn töten, dafür würde er ihn einen Monat lang bis zum nächsten Vollmond fürstlich bewirten. Eißpin begehrt das wertvolle Kratzenfett von Echo, das seine Wirkung nur entfalten kann, wenn das betroffenen Krätzchen sein Fett frewillig gegeben hat.
In Eißpins Schloss erwarten Echo allerlei kulinarische Genüsse und metamorphose Mahlzeiten und, natürlich, neue Freunde und Verbündete. Ob Echo tatsächlich im alchemistischen Kochtopf endet?
Walter Moers Zamonische Mythen versetzen den Leser in eine magische, neue und überraschende Welt voller lebendiger Charaktere vor einem fantastischen Hintergrund. Sprachliche Anekdoten, Wortdreher und die reichlich farbenprächtige Fanastie des Autors dominieren den Verlauf. Das Buch muss man zwei, drei Mal lesen, um die Vielfältigkeit der sprachlichen Kunst auskosten zu können, bei jedem neuen Lesen entdeckte ich etwas Neues, das mir vorher noch nicht aufgefallen ist. Ein kleines Meisterwerk sicherlich.
Es gibt einen (rein subjektiven) Kritikpunkt: Der Geschichtenverlauf ist linear, was die Stimmung und den Lesespaß jedoch nicht dämpft. Moers überrascht durch skurrile Charaktere und oftmals erreicht er das vorhersehbare Ziel durch unvorhergesehene, groteske und spaßige Umwege.
Akif Pirinçci – “Der Rumpf”
Die hier vorgestellten Bücher sind selbstverständlich immer rein subjektive Empfehlungen meinerseits; Ich bin kein Fachkritiker, sondern ein einfacher Leser, der rein nach persönlichem Empfinden beurteilt. Ich werde versuchen auf verschiedene Kategorien einzugehen, wobei ich den Schwerpunkt auf deutschsprachige Autoren lege. Selbstverständlich werde ich nicht nur deutschsprachige Werke vorstellen können, dazu ist mein Kaufverhalten einfach zu impulsiv und die Verlockung in Buchhandlungen zu groß. Ebenso lege ich keinen Wert darauf ausschließlich Neuerscheinungen zu behandeln; Interessante Literatur ist zeitlos.
Zu den Empfehlungen: Generell möchte ich nicht zu viel über Handlungen und Wendungen verraten, weshalb ich versuche mich kurz zu halten. Ich möchte lediglich vermitteln weshalb ich das Buch empfehle und was den Leser im Groben erwartet.
Der Autor des folgenden Buches düfte vielleicht durch seine Reihe "Felidae" dem ein oder anderen ein Begriff sein:
Klappentext
Ein Mörder, dem das Kunststück des "perfekten Mordes" gelungen ist, legt seine Lebensbeichte ab: "Wer Sladek war? Und wie ich dazu kam, ihn umzubringen? Und auf welche Weise es geschah? Geduld, Geduld, ihr werdet es noch früh genug erfahren. Ich gelobe, kein noch so unbedeutendes Detail zu verschweigen. Natürlich wird mir niemand Glauben schenken, da ja, wie es sich für einen perfekten Mord gehört, keine Beweise existieren - und auch keine Zeugen mehr."
Vorneweg möchte ich ausdrücklich betonen, dass dieses Buch nicht unbedingt für zartbesaitete Leser geeignet ist. Der Hauptprotagonist stellt sich als "Der Rumpf" vor und thematisiert damit auch sein Schicksal: Er ist schwerstbehindert, ohne Arme und ohne Beine geboren. Mitgefühl ist bei "Dem Rumpf" ein Gefühl, das eher selten auftritt: Der Hauptprotagonist ist ein boshafter, menschenverachtender Zyniker, der gerade mal für seinen Ziehvater und das schöne Geschlecht, sofern es in seinen Augen als 'schön' zu bezeichnen ist, ein paar mehr oder minder freundliche Worte übrig hat.
Selbstverständlich hadert Daniel, wie sein Ziehvater ihn genannt hat, mit seinem Schicksal, jedoch ist "Der Rumpf" kein Buch, das rein die Thematik der Schwerstbehinderung behandelt: Es ist eine Mischung aus einem Krimi und dem ironisch erzähltem Lebensbericht eines hochintelligenten Zynikers, der sich plötzlich im Paradies, dem Heim der "Verzauberten Jäger", wieder findet und diese utopisch anmutende Einrichtung von der ersten Sekunde an inbrünstig hasst.
Daniel, der bereits zum Anfang des Buches als Charakter in Erscheinung tritt, von dem man nicht wirklich weiß ob man ihn bewundern, verachten, hassen oder lieben soll, erzählt seine Geschichte auf eine tragisch-amüsante Weise, die abstoßend und fesselnd zugleich ist. Und er erzählt die Geschichte seines perfekten Mordes. Ein perfider Plan, der letztendlich ein Blutbad anrichtet, mit dem selbst Daniel nicht gerechnet hatte. Denn wie im wahren Leben kommt es anders als man denkt: Daniel kämpft verbissen darum der "verzauberte Jäger" zu sein und nicht das verfluchte Opfer.
Leseprobe des ersten Kapitels bei Randomhouse.
Wie schon erwähnt würde ich dieses Buch keinem zart besaitetem Leser empfehlen. Abseits der boshaften, teils verletztenden Aussagen und Ansichten Daniels, werden einige Protagonisten auf brutale Art gefoltert und grausame Weise getötet. "Der Rumpf" hat mich durch seine ungeschönte, bizarre und boshafte Lebensbeichte schockiert, amüsiert und letztendlich gefesselt.

